🇩🇪 Naturrecht vs. Staatsrecht

Die­sen Arti­kel anhö­ren

🇩🇪 Ange­hen­de BRD-Staats­be­diens­te­te in allen Ver­wal­tun­gen von ganz unten bis ganz oben bekom­men gelehrt, daß die Natur­rech­te und die Men­schen­rech­te über Staats­recht ste­hen und somit das theo­re­ti­sche und in ers­ter Linie aber auch das prak­ti­sche Staats­recht dem Natur- und Men­schen­rech­ten unter­ge­ord­net ist.

Natur­recht wird ange­hen­den Beam­ten und Staats­be­diens­te­ten auch gelehrt, was zwar nicht über­mä­ßig statt­fin­det, aber sie wer­den dar­über infor­miert, die die Stel­lung des Staats­rech­tes ande­ren Rech­ten gegen­über steht.

Hugo Buß
(Ver­wal­tungs­schul­di­rek­tor Duis­burg) schreibt dazu in sei­nem Lehr­buch1 aus­drück­lich und nicht miß­ver­steh­bar, daß die „unab­än­der­li­chen Rechts­re­geln als das Natur­recht“ bezeich­net wer­den und wei­ter wird den ange­hen­den Beam­te­ten gelehrt: „Die Grund­rech­te sind ein Aus­fluß des Natur­rechts.“2

Und jetzt wird es sehr inter­es­sant, denn wei­ter unten heißt es dann: „Die­ses höchs­te Gebot der Ord­nung der natür­li­chen Ord­nung muß der Staat in sei­ner Gesetz­ge­bung ach­ten. Wider­spre­chen die staat­li­chen Geset­ze dem Natur­recht, so erzeu­gen sie kein Recht, son­dern nur den Schein des Rechts“3

Aber auch das „Opti­sche Staats­recht“4
zeigt auf dem Schau­bild 8 „Arten der Grund­rech­te“, die zwei geglie­der­te Rang­stel­lung
- links: Vor­staat­li­ches Recht und Staats­ge­setz­li­che Grund­rech­te
- rechts: Men­schen- und Bür­ger­rech­ten.

Unter den Vor­staat­li­chen Rech­ten ist dann erklärt: „Die­se Rech­te ste­hen jedem Men­schen von Natur aus zu“ – „jedem“ und „Natur“ sind dabei fett mar­kiert. Und kon­se­quen­ter­wei­se heißt es schließ­lich: „Der Staat kann sie weder ver­lei­hen noch ent­zie­hen.“

Auch unter den Men­schen­rech­ten ist dort auf­ge­führt, daß sie jedem Men­schen zuste­hen, egal wel­cher Staats­an­ge­hö­rig­keit und das „alle vor­staat­li­chen Grund­rech­te Men­schen­rech­te sind.“

Noch­mals zur Ver­tie­fung:
Vor­staat­li­che Rech­te sind die Natur­rech­te, gefolgt von den Men­schen­rech­ten.

Und ein wich­ti­ger Aspekt, der drin­gend zu beach­ten ist: Es ist von Men­schen die Rede, nicht von Per­so­nen. Die gra­vie­ren­den Unter­schie­de wer­de ich in einem zwei­ten Bei­trag erläu­tern, denn sie sind wich­tig, um das Recht zu ver­ste­hen.

Der Münch­ner Uni-Pro­fes­sor Peter Badu­ra
lehrt an sei­ner Hoch­schu­le:

Die Grund­rech­te des Grund­ge­set­zes fol­gen dem im bür­ger­li­chen Natur­recht aus­ge­bil­de­ten Gedan­ken der unver­letz­li­chen und unver­äu­ßer­li­chen Men­schen­rech­te (Art. 1, Abs. 2 GG).“5 und somit gibt es kei­ner­lei Zwei­fel, daß das Natur­recht auch in der BRD sei­ne Gül­tig­keit hat und natür­lich haben muß, denn „Die natur­recht­lich inspi­rier­te Ver­fas­sungs­be­we­gung ver­stand die Frei­heit zuerst als Siche­rung des ein­zel­nen gegen die öffent­li­che Gewalt“6und eben nicht die staat­li­che (öffent­li­che) Gewalt zuerst und als zweit­ran­gi­ges Recht das Natur­recht – nein eben genau anders­rum wur­de ein Schuh dar­aus, mit dem die BRD nach ihrer Grün­dung mit dem umge­han­ge­nen Grund­ge­setz­ge­wand das gesetz­mä­ßi­ge lau­fen lern­te, wenn sie auch der­zeit im Begriff ist die­sen Lang­stre­cken­lauf gänz­lich ein­zu­stel­len, aber das ist eine völ­lig ande­re Mate­rie für eine völ­lig neue Abhand­lung.

Hier die genaue Rang- und Rei­hen­fol­ge des Rech­tes welt­weit:

  1. Natur­recht
  2. Men­schen­rech­te
  3. Völ­ker­recht / Inter­na­tio­na­les Recht
    (ein­schließ­lich Ver­trä­ge und Kon­ven­tio­nen, z. B. die Gen­fer Kon­ven­tio­nen)
  4. Recht der supra­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen (z. B. Euro­pa­recht, UNO-Recht)
    1. Euro­pa­recht (EU-Recht, bestehend aus dem Pri­mär­recht [Ver­trä­ge wie der Ver­trag von Lis­sa­bon] und dem Sekun­där­recht [Richt­li­ni­en, Ver­ord­nun­gen])
    2. Recht der Ver­ein­ten Natio­nen (UNO) (Char­ta der Ver­ein­ten Natio­nen, Reso­lu­tio­nen des Sicher­heits­ra­tes, Völ­ker­rechts­ver­trä­ge unter UNO-Ägi­de)
  5. Staats­recht / natio­na­les Recht
    1. Ver­fas­sungs­recht (z. B. Grund­ge­setz für die BRD)
    2. Bun­des­recht (Geset­ze von den natio­na­len Par­la­men­ten ver­ab­schie­det)
    3. Lan­des­recht (Geset­ze der ein­zel­nen Bun­des­län­der, Komi­ta­te oder Regio­nen)
  6. Kom­mu­na­les Recht (Sat­zun­gen und Ver­ord­nun­gen der Städ­te und Gemein­den)
  7. Pri­vat­recht / Zivil­recht (Rege­lun­gen des Pri­vat­rechts, ein­schließ­lich Ver­trags­recht, Fami­li­en­recht, Erbrecht und Sachen­recht …).
    Das Pri­vat­recht klärt in der Regel nur Strei­tig­kei­ten zwi­schen juris­ti­schen Per­so­nen.

Beim Pri­vat­recht 7., geht es nicht um die im Natur­rech­te ver­an­ker­ten Rech­te frei­er Men­schen, so auch das Pri­vat­recht, Fami­li­en­recht, Erbrecht und Sachen­recht und wei­te­re, son­dern es geht dort um Strei­tig­kei­ten von Per­so­nen (Stroh­mann), die ihre Pri­vat­rech­te durch Rich­ter­spruch klä­ren las­sen kön­nen.

Für freie Men­schen ist das staat­li­che Pri­vat-/Zi­vil­recht in der Regel nicht zustän­dig, was aber zu kom­plex ist, um das hier in Kür­ze dar­zu­stel­len.

Dazu nur kurz.
Auch freie Men­schen kön­nen sich recht­lich zur Wehr set­zen und das bei­spiels­wei­se durch die­se Mög­lich­kei­ten:
Natur­recht­li­che Ansät­ze, Gewohn­heits­recht, pri­va­tes Ver­trags­recht, pri­va­te Schieds­ge­rich­te, auto­no­me Gemein­schaf­ten, usw.
Mög­lich­kei­ten gibt es genug, aber das ist ein The­ma für ein neu­es The­ma, das ich beackern wer­de.

Quint­essenz
All­ge­mein und gene­rell gilt also, daß in vie­len Rech­te­sys­te­men das Natur­recht und die Men­schen­rech­te als über­ge­ord­net gegen­über dem jewei­li­gen Staats­recht (oder dar­über ste­hen­de Rech­te­for­men wie EU, UNO, usw.) betrach­tet wer­den müs­sen.
Das Natur­recht gilt als unver­än­der­lich und kann nicht durch staat­li­che Geset­zen ent­zo­gen oder ver­än­dert wer­den. Geset­ze, die dem Natur­recht wider­spre­chen, wer­den nicht als ech­tes Recht ange­se­hen, son­dern nur als Schein­recht. Grund­rech­te, die aus dem Natur­recht abge­lei­tet wer­den, bil­den somit die Basis für staat­li­che Rechts­ord­nun­gen, und der Staat muß die­se über­ge­ord­ne­ten Rech­te in sei­ner Gesetz­ge­bung berück­sich­ti­gen.


Rosa von Zehn­le úr
Ùjud­var, 2023.10.01

https://175er-verlag.org/.recherchiert/archive/4663
https://1956-hirek.org/4663

Fuß­no­ten:

1 Buß, Hugo: „All­ge­mei­ne Staats­leh­re und Deut­sches Staats­recht“, Rei­he „Leit­fa­den für den öffent­li­chen Dienst“, Band 4, Maxi­mi­li­an Ver­lag Her­ford und Bonn, 4. Aufl. 1965, S. 12.

2 Buß, Hugo: S. 39.

3 Buß, Hugo: S. 39.

4 Bösche, Die­ter E.: „Opti­sches Staats­recht“, All­ge­mei­ne Staats­leh­re und Deut­sches Staats­recht dar­ge­stellt in 23 Schau­bil­dern, Ver­lag Neue Wirt­schafts-Brie­fe Herne/Berlin, 2. ver­än­der­te Auf­la­ge 1979, Schau­bild 8.

5 Badu­ra, Peter: „Staats­recht – Sys­te­ma­ti­sche Erläu­te­rung des Grund­ge­set­zes für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land“, C. H. Beck’sche Ver­lags­buch­hand­lung, Mün­chen 1986, S. 70.

6 Badu­ra, Peter: S. 63.

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