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🇩🇪 Zwischen humanitärer Hilfe und langfristiger Schwächung oder: Individuelle Rettung, gleich kollektive Folgen? Ganz sicher!

Die­sen Arti­kel anhö­ren

Mei­ne Ant­wort zu Ihren Bei­trag* auf Lin­ke­dIn wird fol­gend aus­führ­lich dar­ge­stellt.
Da mich ihre Nach­richt mensch­lich sehr beweg­te und mich zum Nach­den­ken in eine ganz ande­ren Rich­tung beweg­te, näm­lich in eine Rich­tung, die kaum einer denkt oder bedenkt -, klick­te ich zu Ihrem Bei­trg auf Lin­ke­dIn auch auf das Emo­ji „Inspi­rie­rend“.

Und war­um?
Bit­te dazu mei­nen Auf­satz auf die­ser Welt­netz­sei­te lesen, denn auf Lin­ke­dIn fin­det er wegen der begr­ent­zen Zei­chen­an­zahl nicht den nöti­gen Platz.

Gedan­ken­gän­ge die anre­gen müs­sen, wenn die Welt und die Mensch­heit nicht ganz zer­stört wer­den soll. Han­deln, rich­tig han­deln ist obers­tes Gebot!

🇩🇪 Wer­te Frau Prof. Sabi­ne Haupt,

haben Sie vie­len Dank für Ihre Nach­richt und den Ein­blick in Ihre Arbeit. Ich sehe, wie viel per­sön­li­ches Enga­ge­ment und Ver­ant­wor­tung dahin­ter­ste­hen, und mensch­lich ver­dient dies ohne Zwei­fel Aner­ken­nung.

Für mich per­sön­lich steht die­ses The­ma jedoch nicht im Mit­tel­punkt mei­nes Inter­es­ses. Ich bin bereits mit einer Viel­zahl eige­ner The­men befaßt und muß mich allein aus Zeit­grün­den stark beschrän­ken.

Zudem betrach­te ich den grö­ße­ren Zusam­men­hang
mit einer gewis­sen Zurück­hal­tung. So hilf­reich und lebens­ret­tend ein­zel­ne Auf­nah­me- und Unter­stüt­zungs­ak­tio­nen für Betrof­fe­ne sein mögen, so stellt sich auf gesell­schaft­li­cher Ebe­ne die Fra­ge nach ihren lang­fris­ti­gen Fol­gen für die Her­kunfts­län­der. Inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen wei­sen seit Jah­ren dar­auf hin, daß dau­er­haf­te Abwan­de­rung gut aus­ge­bil­de­ter oder beson­ders enga­gier­ter Men­schen den soge­nann­ten „Brain-Drain“ ver­stär­ken kann. Damit feh­len gera­de jene Kräf­te, die für Sta­bi­li­sie­rung, Bil­dung, Insti­tu­tio­nen­auf­bau und gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung im eige­nen Land drin­gend gebraucht wür­den.

Für mich tau­chen dabei grund­le­gen­de Fra­gen auf:
Was bleibt in einem Land zurück, wenn beson­ders Enga­gier­te gehen?
Wer trägt mor­gen Ver­ant­wor­tung, wenn die Stärks­ten feh­len?
Ret­ten wir heu­te Men­schen und schwä­chen mor­gen zugleich die Zukunft vor Ort?
Wie gehen wir mit dem stil­len Dilem­ma gut gemein­ter Hil­fe um?

Wenn vor allem
Schrift­stel­ler, Hoch­schul­do­zen­ten, Jour­na­lis­ten und zivil­ge­sell­schaft­lich akti­ve Men­schen gehen, ver­liert ein Land nicht nur Fach­wis­sen, son­dern auch kul­tu­rel­le und demo­kra­ti­sche Impul­se. Kurz­fris­tig wird ein­zel­nen gehol­fen – lang­fris­tig kann dies jedoch die inne­re Schwä­che ver­stär­ken, Abhän­gig­kei­ten ver­grö­ßern und den Wie­der­auf­bau erschwe­ren. In der For­schung wird immer wie­der beschrie­ben, daß sol­che Pro­zes­se poli­ti­sche Sys­te­me zusätz­lich desta­bi­li­sie­ren, weil tra­gen­de sozia­le Schich­ten aus­dün­nen und Per­spek­ti­ven im Land selbst schwin­den.

Und auch jetzt stel­len sich für mich wei­te­re Fra­gen:
Ver­liert ein Land mehr als nur Fach­kräf­te, wenn Hoff­nungs­trä­ger gehen?
Was geschieht, wenn Mit­ge­fühl und lang­fris­ti­ge Ent­wick­lung in Kon­flikt gera­ten?
Ist eine offe­ne Tür immer auch eine nach­hal­ti­ge Lösung?
Wie viel Schutz ist nötig und wie viel Sub­stanz­ver­lust ist ver­tret­bar?

Damit ent­steht ein schwie­ri­ges Span­nungs­feld:
Hil­fe für den ein­zel­nen Men­schen auf der einen Sei­te, struk­tu­rel­le Fol­gen für das Her­kunfts­land auf der ande­ren. Gera­de wenn vie­le enga­gier­te Men­schen gehen, kann dies unbe­ab­sich­tigt dazu bei­tra­gen, daß das Land inter­na­tio­nal noch nega­ti­ver wahr­ge­nom­men wird und wei­te­re Abwan­de­rung ein­setzt – ein Kreis­lauf, der schwer zu durch­bre­chen ist.

Und wie­der tau­chen für mich Fra­gen auf:
Kann gut gemein­te Hil­fe lang­fris­tig Scha­den anrich­ten?
För­dern wir unbe­ab­sich­tigt einen gesell­schaft­li­chen Ader­laß?
Ist jede Ret­tung zugleich ein Ent­zug von Zukunfts­kraft?
Wer pro­fi­tiert tat­säch­lich – und wer trägt die Fol­ge­kos­ten?

Ich hal­te Ihre Aktio­nen
des­halb auf mensch­li­cher Ebe­ne für wert­voll und respek­ta­bel. In der Gesamt­schau kann ich sie jedoch nicht gut­hei­ßen, weil sie aus mei­ner Sicht auch dazu bei­tra­gen, daß die Pro­ble­me im Her­kunfts­land sich ver­fes­ti­gen und des­sen Zukunfts­per­spek­ti­ven wei­ter geschwächt wer­den.

Vor die­sem Hin­ter­grund erscheint mir ein Ansatz über­zeu­gen­der, der Schutz und Ver­ant­wor­tung mit­ein­an­der ver­bin­det. Für hoch­ge­fähr­de­te Per­so­nen muß selbst­ver­ständ­lich gel­ten, daß bei kon­kre­ter Bedro­hung Schutz gewährt wird. Wo Leib und Leben in Gefahr sind, kann eine vor­über­ge­hen­de Auf­nah­me unum­gäng­lich sein. Ent­schei­dend scheint mir jedoch, sol­che Schrit­te als zeit­lich begrenz­te Schutz­lö­sung zu ver­ste­hen und sie – wo immer mög­lich – mit Per­spek­ti­ven für Rück­kehr, Wis­sens­trans­fer oder eine fort­ge­setz­te Wir­kung für das Her­kunfts­land zu ver­bin­den.

Lang­fris­tig hal­te ich eine geziel­te Stär­kung von Bildungs‑, Medi­en- und zivil­ge­sell­schaft­li­chen Struk­tu­ren vor Ort für wir­kungs­vol­ler, als den dau­er­haf­ten Abfluß enga­gier­ter und qua­li­fi­zier­ter Men­schen wei­ter zu beför­dern. Hil­fe, die befä­higt und sta­bi­li­siert, scheint mir nach­hal­ti­ger als Hil­fe, die – so gut sie gemeint ist – am Ende zur wei­te­ren Aus­dün­nung jener Kräf­te bei­trägt, die für Ent­wick­lung und Erneue­rung unver­zicht­bar wären.

Aber­mals tau­chen für mich wei­te­re Fra­gen auf:
Wel­che Lücken ent­ste­hen, wenn die Muti­gen gehen?
Was geschieht mit einem Land, wenn sei­ne Stim­men lei­ser wer­den?
Wie klingt eine Zukunft ohne ihre enga­gier­tes­ten Men­schen?
Wel­che Fra­gen blei­ben zurück, wenn Hil­fe zugleich Ver­lust bedeu­tet?

Im Ergeb­nis sehe ich hier ein ech­tes ethi­sches Span­nungs­feld
zwi­schen indi­vi­du­el­ler Ret­tung und kol­lek­ti­ver Zukunfts­fä­hig­keit. Mensch­li­che Hil­fe im Ein­zel­fall bleibt wich­tig und rich­tig – zugleich soll­te sie, wo mög­lich, so gestal­tet wer­den, daß sie nicht unbe­ab­sich­tigt die struk­tu­rel­len Kräf­te vor Ort wei­ter schwächt. Nach­hal­tig erscheint mir ein Ansatz, der Schutz bie­tet, aber eben­so Rück­bin­dung, Auf­bau und Ver­ant­wor­tung für die Her­kunfts­ge­sell­schaft mit­denkt.

In die­sem Sin­ne,
mit mensch­lich-frei­heit­li­chen Grü­ßen
Rosa von Zehn­le úr.
schrei­ben­dER, buch­her­aus­gbeER, krea­ti­vER und musik­ma­chER.

P.S.: Erlau­ben Sie mir noch eine nach­denk­li­che Zusatz­fra­ge
aus mei­ner Beob­ach­tung, die ich seit Jahr­zehn­ten mache: Gibt es nicht auch in der BRD hoch­ge­fähr­de­te Schrift­stel­ler, Hoch­schul­do­zen­ten, Jour­na­lis­ten oder Men­schen­rechts­ak­ti­vis­ten (egal wel­chen Geschlechts), die Unter­stüt­zung ver­die­nen?
Ich sehe auch hier ein beacht­li­ches Poten­ti­al an Men­schen, die für ihre Arbeit unbe­dingt Inte­gri­tät Schutz und För­de­rung benö­ti­gen – die ihnen in der BRD aber kei­ner gewährt.
Ich weiß, sol­che Fra­gen stellt man nicht – aber mir ist es wich­tig, sie den­noch zu stel­len und mich kann auch nichts und nie­mand brem­sen – erst recht kei­ne Ideo­lo­gie.
Schon als Kind hiel­ten mich die Leh­rer für reni­tent und sag­ten es auch nur zu oft; sie ver­wech­sel­ten mein Ver­hal­ten aber mit Resi­li­enz, einen Begriff, den sie in der Aus­bil­dung wohl nicht gelernt haben.
War­um soll­te ich mein „reni­ten­tes“ Han­deln ändern, wenn ich Miß­stän­de sehe, die sonst nie­mand sehen will, denn die Meis­ten bewah­ren lie­ber ihren gesell­schaft­li­chen Schein­frie­den und ver­wei­gern sich ihrer inne­ren Frei­heit – aus Angst, die nur zu oft unbe­que­me Wahr­heit zu erken­nen?

Ups:
Schon wie­der eine Fra­ge, die nun 17. offe­ne Fra­ge.

Rosa von Zehn­le úr
Ùjud­var, 2026.02.14.

Rövid link / Kurz­link / Short link:
https://1956-hirek.org/7047
https://175er-verlag.org/.recherchiert/archive/7047




* Hier die ePost an mich mit dem Inhalt auf den ich oben reagier­te. Ich habe ihn hier ver­öf­fent­licht, da vie­les über län­ge­re Zeit gese­hen dann ja doch ver­schwin­det:

Lin­ke­dIn: Sabi­ne Haupt 12.02.2026–09:23

Guten Mor­gen,
Viel­leicht inter­es­siert Sie das:
Inzwi­schen kamen mit mei­ner Afgha­ni­stan-Akti­on mehr als 90 hoch­ge­fähr­de­te Per­so­nen (Schriftsteller:innen, Hochschuldozent:innen, Journalist:innen, Menschenrechtsaktivst:innen und ihre Fami­li­en) nach Euro­pa (Schweiz, Deutsch­land, Spa­ni­en und Frank­reich)
Im Mai ist auch die von mir her­aus­ge­ge­be­ne Antho­lo­gie erschie­nen, die die gesam­te Akti­on und ihren Kon­text doku­men­tiert. Dazu gibt es ein Radio-Inter­view auf SRF2 Kul­tur, das ich mit Fotos von unse­rem gro­ßen Afgha­ni­st­an­fest vom 3. Mai 2025 illus­triert habe: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7363474685461692421/
Herz­lich,
Sabi­ne Haupt


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Wird vor dem For­mu­lar ange­zeigt

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