Veröffentlicht in

🇩🇪 Homophilie: Kulturhistorische Präzision fernab von zeitgeistigem Sprachverfall – Meine Würdigung journalistischer Integrität und historischer Erkenntnistiefe bei der NZZ.

Lis­ten to this article

Liebe Kollegen und Kolleginnen der NZZ,

als Schrei­ben­der und Grün­der des Rosa Archiv und Biblio­thek, 1986 in Leip­zig habe ich den Bei­trag von Gabri­el Kat­zen­stein vom 24. Juni 2026 über die Aus­stel­lung zur gleich­ge­schlecht­li­chen Lie­be im Kunst­mu­se­um Basel mit gro­ßem Genuß gele­sen – ein Bei­trag, wie man ihn in der Wahl sei­ner sach­lich per­fek­ten Wor­te heu­te nur noch sehr sel­ten fin­det. Dazu habe ich die fol­gen­de Rezen­si­on ver­faßt und ich bit­te die NZZ-Redak­ti­on, die­se Zei­len an Herrn Gabri­el Kat­zen­stein wei­ter­zu­lei­ten.
In geis­tig-schrei­ben­der Ver­bun­den­heit
Herr Rosa von Zehnle.


R e z e n s i o n
„Als Schwule und Lesben auf Zehenspitzen durch die Welt gingen:

Homosexualität im Kunstmuseum Basel

Der in der Über­schrift genann­te Bei­trag
erschie­nen am 13. März 2026 in der Neu­en Zür­cher Zei­tung anläß­lich der Aus­stel­lung The First Homo­se­xu­als im Kunst­mu­se­um Basel, war für mich ein unver­hoff­ter Licht­blick.
Als Akti­vist, der vor vier­zig Jah­ren im Jahr 1986 im dama­li­gen deut­schen „Osten“ das Rosa Archiv grün­de­te, bli­cke ich auf ein Leben zurück, das dem Bewah­ren unse­rer Geschich­te gewid­met ist. Sel­ten habe ich in der heu­ti­gen Medi­en­land­schaft einen der­art herr­li­chen Arti­kel gele­sen.

Die Freu­de beim Lesen war des­halb so groß,
weil der Autor gänz­lich auf die heu­te omni­prä­sen­ten, infla­tio­när gebrauch­ten Begriff­lich­kei­ten wie „Que­er“ oder die schier unend­li­che Anein­an­der­rei­hung von Buch­sta­ben­kür­zeln ver­zich­te­te. Für jeman­den mei­ner Gene­ra­ti­on, der den Kampf um Iden­ti­tät und Sicht­bar­keit in einer Zeit führ­te, in der wir uns schlicht als Schwu­le oder Les­ben ver­stan­den und das Wort Homo­se­xua­li­tät den fach­li­chen und gesell­schaft­li­chen Dis­kurs präg­te, wirkt der Ver­zicht auf die­se moder­nen Eti­ket­tie­run­gen wie ein Rück­blick in eine Zeit, in der Arti­kel über unse­re Sze­ne noch mit hand­werk­li­cher Sorg­falt und sprach­li­cher Prä­zi­si­on ver­faßt wur­den.
Heu­te wird das, was unse­re Iden­ti­tät einst aus­mach­te, durch nebel­haf­te Begriff­lich­kei­ten ver­schlei­ert und oft eher negiert als benannt.

Inhalt­lich ist der Bei­trag
von Gabri­el Kat­zen­stein schlicht­weg exzel­lent. Er eröff­net dem Leser einen tie­fen Ein­blick in die Ent­ste­hung neu­er Iden­ti­tä­ten zwi­schen 1869 und 1939 und illus­triert ein­drucks­voll, wie sich das gleich­ge­schlecht­li­che Begeh­ren in der Kunst zu einer Zeit Bahn brach, als es dafür kaum ein öffent­li­ches Voka­bu­lar gab.
Selbst mir als His­to­ri­ker, der sein Leben der Erfor­schung die­ser Mate­rie ver­schrie­ben hat, bot der Arti­kel neue Erkennt­nis­se. Dies ist wohl dar­in begrün­det, daß mein Fokus über all die Jah­re hin­weg pri­mär auf der Auf­ar­bei­tung der Geschich­te im mit­tel-deutsch­spra­chi­gen Raum und dem Auf­bau mei­nes Archivs lag, wäh­rend die detail­lier­ten Strö­mun­gen im fran­zö­si­schen oder ame­ri­ka­ni­schen Raum, die der Arti­kel so treff­lich beleuch­tet, in mei­ner For­schung bis­her nicht den zen­tra­len Platz ein­ge­nom­men haben.

Es war eine Won­ne, die­sen Text zu lesen.
Er hat mich für einen Moment zwan­zig Jah­re in der Zeit zurück­ver­setzt, als man noch von der jour­na­lis­ti­schen Qua­li­tät sol­cher Ana­ly­sen zeh­ren konn­te. Ein herr­li­cher Arti­kel, der ohne Anbie­de­rung an den Zeit­geist (deutsch­feind­lich: Main­stream) aus­kommt und gera­de dadurch sei­ne blei­ben­de Gül­tig­keit beweist.

Ich hof­fe,
künf­tig wei­ter sol­che inhalts­vol­len Tex­te und nicht zeit­geist­ver­schro­be­ne Schrei­be­rei­en in der NZZ lesen zu dür­fen.
Es ist aber scha­de, daß die Kom­men­tar­funk­ti­on bei der NZZ für die­sen Bei­trag aus­ge­schal­tet war, denn ich hät­te die­se Wür­di­gung gern auch dort ver­ewigt.

Mit bes­ten und frei­en Grü­ßen,
Rosa von Zehn­le.

schrei­ben­dER, her­aus­ge­bER, musik­ma­chER, krea­ti­vER, natur­recht­lER & volks-
phi­lo­so­phie­ren­dER
zudem
inha­bER und machER des Rosa Archiv & Biblio­thek
gegr. 1986 in Leip­zig
:
ROSA ARCHIV & Biblio­thek
und grün­dER und machER des
175er Ver­lagTROTZ Ver­lag

Arti­kel-Serie begin­nend ab 2026 zum Rosa Archiv:
🇩🇪 40 Jah­re ROSA ARCHIV & Biblio­thek 2026
und eben­so ab 2026 begon­ne­ne Beträ­ge:
Hör­bei­trä­ge (Pod­cast) auch zu Szene-Themen!


Rosa von Zehn­le úr
Ùjud­var, 2026.06.26
♛ Róz­sa Magyar Rádió ♛
non pro­fit · © q‑art-in 2026
https://175er-verlag.org/.recherchiert/archive/10655
https://1956-hirek.org/10655


Cím­ke­fel­hő / Schlag­wort­wol­ke / Tag Cloud 


Views: 5

Wird vor dem For­mu­lar angezeigt

Schreibe einen Kommentar

📧 Anmeldung (Newsletter)